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ICH KAUFE MEINEN KINDERN NICHT NUR HOLZSPIELZEUG

Er ist ein Dauergast auf den Bühnen des Landes, erst vor wenigen Wochen spielte Gerhard Schöne in Suhl. Nun kommt der sächsische Liedermacher erneut in Thüringer
Breiten, diesmal mit einem besonderen Leckerbissen. Das
neue Programm „Das Wunschkonzert“ feiert heute, 19.30 Uhr, im Theater Arnstadt Premiere.
Wir sprachen vorab mit ihm über sein Lampenfieber und sein Lebensgefühl.

Herr Schöne, Sie arbeiten auf Hochtouren an Ihrem neuen Programm, nun ist Premiere in Arnstadt. Ist ein Bühnenprofi wie Sie noch aufgeregt oder macht
Ihnen das nichts aus?


Gerhard Schöne: Ich bin ziemlich aufgeregt, 90 Prozent meiner Gedanken kreisen nur um dieses Thema. Egal ob ich die Kinder in den Kindergarten schaffe oder einkaufe, ich denke immer das Programm nach, überlege, wo man noch etwas besser machen könnte. Das ist schwer, denn außer dem Regisseur, meinem Freund Detlef Gohlke, ist erst mal niemand da, der das einschätzen könnte.

Wie äußert sich die Aufgeregtheit? Können Sie nachts nichts schlafen, oder laufen Sie die ganze Zeit im Zimmer auf und ab?

Schöne: Nicht schlafen können, das kommt schon mal vor. Ich probe ja tagsüber ziemlich intensiv. Wenn ich spät noch einen Einfall habe, lange an einer
Idee feile und dazu noch zu viel Kaffee trinke, dann bin ich abends schon manchmal etwas überdreht und kann dann nicht einschlafen.

Wenn man hört, dass Sie für Ihr Programm einen Regisseur haben und ausgiebig daran feilen, kommt einem der Gedanke in den Sinn, dass das neue Programm
einem Theaterabend ähneln könnte.


Schöne: Es ist mehr ein Konzert. Es ist ja ein Wunschkonzert. Am Eingang hängen Zettel, auf denen sind 123 Lieder von mir aufgeschrieben. Davon können die Besucher eins bis drei auswählen, die Zettel zum Papierflugzeug falten und auf die Bühne fliegen lassen. Dort bin ich dann nicht nur Gerhard Schöne, sondern schlüpfe in zwei andere Figuren, die das Publikum unterhalten und Überleitungen machen.

Trotzdem proben Sie so intensiv?

Schöne: Ich bin ja kein gelernter Schauspieler. Und auch als Laie möchte ich mich nicht
blamieren. Da ist es natürlich gut, wenn einem ein Profi mit Rat und Tat zur Seite steht.
Kürzlich haben wir zusammen Clownstraining gemacht, da habe ich gelernt, mehr aus dem Blickwinkel des Clowns die Welt zu sehen.

Das klingt, als wären Sie ein akkurater Mensch.

Schöne: Akkurat? Das ist das falsche Wort. Ich habe natürlich einen Anspruch an die Inhalte, aber eben auch an die Form: Das es nämlich auch unterhaltsam sein soll. Nur eines davon befriedigt einen nicht. Inhalt und Form lassen sich nicht trennen, müssen sich ergänzen. Der Spaß muss den Ernst befruchten, und der Ernst wiederum den Spaß.

Stichwort Ernst: Sie sind ein engagierter Künstler. Im Vorwort Ihrer Homepage heißt es: „Meine Lieder sollen Lebenszeichen sein. Sie sollen ansingen gegen alles, was Leben verhindern oder einschränken will. In uns und um uns herum.“ Gibt es Hoffnungen oder Illusionen, die Sie im Lauf der Jahre verloren haben?

Schöne: Ich bin nicht so naiv wie manche meiner Lieder. Wenn mich etwas berührt, was zum Beispiel meine Kinder fragen, dann heißt das doch nicht, dass ich an einer infantilen Weltsicht festhalte. Natürlich gibt es Ernüchterungen, gibt es trübe, Melancholische Momente. Aber ich glaube trotz allem, dass die Menschen, gerade
wenn es darauf ankommt, fähig sind, sich am eigenen Schlafittchen aus dem Dreck zu
ziehen. Verzagen hilft doch keinem. Und auch wenn ich niedergeschlagen bin, suche ich nach Leuten, die mich hochziehen, nicht welchen, die mich runterziehen.

Trotzdem kommt es einem so vor, als ob engagierte Künstler heute oft belächelt oder als Relikte vergangener Zeiten wahrgenommen werden.

Schöne: Ich glaube eigentlich nicht so sehr, dass es Leute, die etwas verändern wollen,
schwer haben. Das ist mehr die Attitüde, wie sie sich manchmal geben. Das macht es unfreiwillig komisch, da kommt ein penetranter Beigeschmack hoch. Aber man kann dem auch eine andere Form geben. Nehmen Sie das Beispiel Nazis. Roberto Benigni hat mit dem Film „Das Leben ist schön“ einen solchen, anderen Zugang gefunden. Es geht auch so. Man merkt: Es lässt sich auch anders über solche Themen reden.
Die pure Kämpferpose ist nur eine Möglichkeit. Meine Lieder erzählen davon auf ihre
Art und Weise.

Schwimmen Sie gern gegen den Strom?

Schöne: Ich weiß eigentlich gar nicht, wie der Strom lang läuft. Es gibt ja eher sehr viele Strömungen. Sicher ist das, was ich tue, etwas altmodisch. Aber es wäre doch seltsam, sich an den Strömungen zu orientieren. Ich halte es für sinnvoller, zu schauen, was passt zu mir. Und wenn man das dann bestmöglich umsetzt, da bin ich überzeugt,
gibt es immer Leute, die man damit erreichen und berühren kann.

Ich habe auch deshalb gefragt, weil Sie nur spätabends erreichbar sind und ich deshalb vermute, dass Sie kein Handy besitzen.

Schöne: Ich habe schon ein Handy, aber jetzt während der Proben ist es aus. Es ist nicht so, dass ich meinen Kindern nur Holzspielzeug kaufe und auf einer Strohmatte schlafe. Aber ich halte wirklich nichts davon, dauernd erreichbar zu sein. Deshalb gebe ich die Nummer auch nur äußerst selten heraus. Ich habe eine Familie und vier Kinder, die mich gut beschäftigen. Wenn man da die ganze Zeit so businessmäßig erreichbar ist, das reibt einen doch nur auf.


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