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Liedtext: El Velero

[von: Wenzel, Album: Reisebilder, 1989]
Lange hast du nicht mehr mit der Welt gesprochen,
Und dein hohles Fernweh hat dir den Verlust verschönt;
Bist an Stränden zwischen Bockwurstbuden rumgekrochen,
Und dein Gröhlen hat des Nachts in Höfen laut getönt.
Straßenbahnen, Autobusse, Kühlschrankbrummen, Blasmusik.
In der Ferne sprach die Erde, übertönt von deinem Glück.
Plötzlich stehst du schweigend da, hörst wie die Brandung fällt,
Plötzlich merkst du, man, du stehst am Rande dieser Welt.

Das macht der Himmel von El Velero,
Wo die Sterne auf dem Kopf stehn,
Wo dich die Wellen wie einen Bolero
In der drehenden Welt drehn.

Lange schlug dein Herz den Rhythmus fast wie die Sekunden,
Wie der 5- Bahn- Fahrplan warn die Tage aufgereiht,
Und auf einmal hast du wieder in die Welt gefunden,
Man, die ist ja wirklich groß und wirklich rund und weit.
Sitzen abends wir am Feuer, kommt die Nacht und kommt die Flut,
Und du merkst, wie klein du bist, wie klein, und das tut gut.
Klein wie Kümmernisse, die man für das Größte hält,
Plötzlich merkst du, man, du stehst am Rande dieser Welt.

Das macht der Himmel von El Velero,
Wo die Sterne auf dem Kopf stehn,
Wo dich die Wellen wie einen Bolero
In der drehenden Welt drehn.

Lange wollten all die kleinen Narben nicht mehr heilen,
Narben unsres Mißtrauns, unsrer blinden Lebenswut.
Liebeskümmernisse oder wegzensierte Zeilen,
Was du in dich reinfraßt, still, mit schaumgebremster Wut.
Und wenn dich das Meer hat, merkst du, leicht kann es dich entführn,
Dann, wenn deine Füße keinen Boden, keine Welt mehr spürn.
Plötzlich weißt du wieder, was dich auf der Erde hält,
Plötzlich merkst du, man, du stehst am Rande dieser Welt.

Das macht der Himmel von El Velero,
Wo die Sterne auf dem Kopf stehn,
Wo dich die Wellen wie einen Bolero
In der drehenden Welt drehn.

Manchmal schiens, als wärst du eine Lebens- Leb- Maschine,
Wußtest jede Antwort, selbst den Radius der Welt,
Sternennamen und das Liebesleben einer Biene,
Wie baut man am schnellsten auf ein Drei-Personen-Zelt?
Diese alte Sicherheit, in der sich jeder sicher meint,
Sie verfliegt dann, wenn du merkst, das Meer in dir, es weint.
Jeder Stein, den du gefunden. Jeder ist‘s, der dir gefällt,
Plötzlich merkst du, man, du stehst am Rande dieser Welt.

Das macht der Himmel von El Velero,
Wo die Sterne auf dem Kopf stehn,
Wo dich die Wellen wie einen Bolero
In der drehenden Welt drehn.


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