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[Rezension zu: Gerhard Gundermann]
Auf der Suche nach den anderen Möglichkeiten - zu Live-Stücke 1
[in: Freie Presse Chemnitz Datum: 14. April 2000 Autor: Matthias Zwarg]
“... Auch wenn alle Lieder, die er schreiben wollte, schon der `Boss` singt, er hat dem Leben und seinem Land doch immer wieder Lieder abgetrotzt. Und wenn es die vom Boss waren. Die Gundermannsche Version von `Badlands‘ über sein, über unser `Steinland`gehört zu den Entdeckungen auf der gerade erschienen CD ``Live-Stücke I` aus dem Buschfunk- Verlag, der ersten, die sich des Nachlasses annimmt. Geblieben sind vor allem einige Stunden Live- Aufnahmen(...) Zwar wäre manchem ein vollständiger Konzertmitschnitt auf CD vielleicht lieber gewesen, letztlich zeichnet die Komposition der insgesamt zwölf Lieder aus drei Aufnahmen aber ein stimmigeres, geradezu würdiges Bild vom singenden Baggerfahrer.
Gundermanns Thema war immer dieses Land, - `wir hams nicht beleidigt, wir hams nicht verteidigt`- war sein
Leben, unser Leben in diesem Land, sein Thema waren immer die anderen Möglichkeiten. Lieder wie ein Lebenslauf. Die Live- Versionen von `Leine Los`, `Kämpfen wie Männer`, `Hier bin ich geboren`, `Keine Zeit mehr` zeichnen das Leben in diesem Land nach, ihre Zusammenstellung ist selbst eine Komposition, die wohl Gundermanns Verständnis gefunden hätte. Sie wirken, im wahrsten Sinne des Wortes, lebendig- wegen der kurzen Zwischentexte, einiger technischen Unzulänglichkeiten, der vergessenen Textzeile bei “Àlle oder keiner`, als seine Tochter auf die Bühne rannte und ihren eben verschenkten Badeanzug wiederhaben wollte(...)Gundermann glänzt weder solistisch noch mit Seilschaft und den beiden Berliner Gruppen Jams und Rakatak durch besondere musikalische Kunstfertigkeit. Doch er hat auch in diesen Live-Stücken unser Leben zu seinem gemacht(... ) Die Schmucklosigkeit der Live- Stücke wird durch ihre Authentizität weit übertroffen und wehrt sich damit nicht zuletzt gegen eine Verklärung, die bei einem Künstler von der Beliebtheit Gerhard Gundermanns nicht ausgeschlossen ist, ihm selbst aber sicher sehr peinlich gewesen wäre.
Vor allem aber fängt diese s Dutzend Lieder die unvergleichliche Poesie Gundermanns ein, diese Mischung aus materieller Basis und philosophischen Überbau, genauer Beobachtung und gefühlvoller Reflexion, die dem Lebensgefühl in diesem merkwürdig vereinigten, uneinigen Land so nahe kam, dass es manchmal zum Weinen ist(... )
“Kommen und gehen” das allerletzte Stück auf der Platte ist ein Lied über den Fährmann, der die `bleichen Seelen” fort bringt (.. ) ein Lied über die, die den Lebenslauf nicht mehr gewinnen wollen(... ) Niemand hätte das so sagen können wie Gerhard Gundermann, der uns einst geraten hatte `Überlebe, wenigstens bis morgen`. Niemand hätte die Trauer so einfangen können, die uns angesichts der Mühen der Ebene, angesichts der verschenkten anderen Möglichkeiten manchmal befällt. Niemandes Traurigkeit hätte am Ende doch so viel Mut gemacht.
Er hat seinen Lebenslauf nicht gewonnen, vielleicht helfen seine Lieder, andere Lebensläufe zu gewinnen.
Gundermanns Thema war immer dieses Land, - `wir hams nicht beleidigt, wir hams nicht verteidigt`- war sein
Leben, unser Leben in diesem Land, sein Thema waren immer die anderen Möglichkeiten. Lieder wie ein Lebenslauf. Die Live- Versionen von `Leine Los`, `Kämpfen wie Männer`, `Hier bin ich geboren`, `Keine Zeit mehr` zeichnen das Leben in diesem Land nach, ihre Zusammenstellung ist selbst eine Komposition, die wohl Gundermanns Verständnis gefunden hätte. Sie wirken, im wahrsten Sinne des Wortes, lebendig- wegen der kurzen Zwischentexte, einiger technischen Unzulänglichkeiten, der vergessenen Textzeile bei “Àlle oder keiner`, als seine Tochter auf die Bühne rannte und ihren eben verschenkten Badeanzug wiederhaben wollte(...)Gundermann glänzt weder solistisch noch mit Seilschaft und den beiden Berliner Gruppen Jams und Rakatak durch besondere musikalische Kunstfertigkeit. Doch er hat auch in diesen Live-Stücken unser Leben zu seinem gemacht(... ) Die Schmucklosigkeit der Live- Stücke wird durch ihre Authentizität weit übertroffen und wehrt sich damit nicht zuletzt gegen eine Verklärung, die bei einem Künstler von der Beliebtheit Gerhard Gundermanns nicht ausgeschlossen ist, ihm selbst aber sicher sehr peinlich gewesen wäre.
Vor allem aber fängt diese s Dutzend Lieder die unvergleichliche Poesie Gundermanns ein, diese Mischung aus materieller Basis und philosophischen Überbau, genauer Beobachtung und gefühlvoller Reflexion, die dem Lebensgefühl in diesem merkwürdig vereinigten, uneinigen Land so nahe kam, dass es manchmal zum Weinen ist(... )
“Kommen und gehen” das allerletzte Stück auf der Platte ist ein Lied über den Fährmann, der die `bleichen Seelen” fort bringt (.. ) ein Lied über die, die den Lebenslauf nicht mehr gewinnen wollen(... ) Niemand hätte das so sagen können wie Gerhard Gundermann, der uns einst geraten hatte `Überlebe, wenigstens bis morgen`. Niemand hätte die Trauer so einfangen können, die uns angesichts der Mühen der Ebene, angesichts der verschenkten anderen Möglichkeiten manchmal befällt. Niemandes Traurigkeit hätte am Ende doch so viel Mut gemacht.
Er hat seinen Lebenslauf nicht gewonnen, vielleicht helfen seine Lieder, andere Lebensläufe zu gewinnen.
Konzertrezensionen
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Liederbestenliste vom 19. Juli 2004 |
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Auf der Suche nach den anderen Möglichkeiten - zu Live-Stücke 1
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Gundermann, Wenzel & Mensching – im Ostlied nichts Neues?
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